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CERTALDO
Wenn man dem Flusslauf der Elsa folgt, kommt man nach Certaldo,
das von einer antiken, befestigten Ansiedlung ueberragt wird. Schon
von weitem erkennt man inmitten der gruenen Huegel des Valdelsa-Tales
das maechtige Profil des roten Backsteinbaus: Certaldo Alto, auch
die Burg genannt, hat bis heute seine Mittelalter- und Renaissancestruktur
erhalten, waehrend sich unten das moderne, in den letzten zwei Jahrhunderten
entstandene Certaldo, eine lebhafte Stadt mit verschiedenen Industrien,
ausdehnt.
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Das
urspruenglich etruskisch-roemische Certaldo wurde von Friedrich Barbarossa
an die Herzoege Alberti uebergeben, die hier bis Ende des 12.Jh.s
regierten. In der Hand der Florentiner wurde Certaldo im Laufe der
Jahrhunderte immer wichtiger und so zum politischen und rechtlichen
Zentrum der Valdelsa. Seine strategische Rolle dauerte waehrend der
gesamten Periode des Grossherzogtums bis zur Vereinigung Italiens
an. Ein aussergewoehnliches Beispiel der Zeit des groessten Glanzes
von Certaldo ist der Vikarpalast, der auf seiner Fassade und im Atrium
die Wappen der verschiedenen Vikare traegt, darunter auch wunderschoene
Majolika-Wappen von Della Robbia. Von der grossen Vergangenheit Certaldos
sind viele Zeugnisse bis heute erhalten, wie z.B. die Burg. Die Altstadt
ist noch wie zu jenen Zeiten mit antiken Mauern umgeben, unterbrochen
von der Porta Alberti, der Porta del Sole und der Porta del Rivellino,
eine fuer das Mittelalter typische Militaerstruktur, die als Vorposten
ausserhalb der eigentlichen Mauern diente. Ueber schmale, steile,
mit Steinen gepflasterte Gassen erreicht man den antiken Stadtkern,
den Palazzo Pretorio. Dieser im 12.Jh. erbaute Palazzo ist das bedeutendste
Denkmal der Stadt: er diente einst als Residenz der Alberti, dann
als Vikar-Sitz. In der heute entweihten Kapelle der Heiligen Tommaso
und Prospero kann man Fresken und Sinopien aus dem 15. und 16. Jh.
bewundern: unter den Meisterwerken eine Madonna mit Kind von Fiorentino
unddas Tabernakel der Hingerichteten von Benozzo Gozzoli. Bei einem
Bummel durch die Altstadt von Certaldo entdeckt man herrliche Bauten,
sei es mittelalterlichen Ursprungs oder angereichert mit Elementen
der Renaissance. Sehenswert sind die Herrenhaeuser und die Turmhaeuser
des Zentrums, die Kirche der Heiligen Jacopo und Filippo, von wo man
die Zelle der legendaeren Klausurnonne Giulia und das Kloster der
Augustiner erreicht, ein romanischer, besonders malerischer Komplex.
In der Altstadt befindet sich auch das Turmhaus Palazzo Machiavelli,
wo Boccaccio begraben ist, der mit Dante und Petrarca zusammen die
italienische Sprache "erfunden" hat. Das Genie des in Italien
beruehmtesten Buches "Decamerone" wurde 1313 inCertaldo
geboren. Die Casa Boccaccio, deren Turm und Loggia nach dem letzten
Weltkrieg wieder aufgebaut worden sind, ist heute der Sitz des nationalen
Studienzentrums Boccaccio und beherbergt auch eine reichhaltige Bibliothek.
Das Zentrum organisiert wechselnde Ausstellungen mit Zeichnungen
zeitgenoessischer Kuenstler, die Boccaccio gewidmet sind, und jedes
Jahr wird hier der "Boccaccio Preis" an Schriftsteller verliehen,
die einen Erfolg der Kritik gehabt haben. In der herrlichen Umgebung
von Certaldo kann man in Lucardo die Pieve San Lazzaro langobardischen
Ursprungs und die Burg Santa Maria Novella, die im Cinquecento in
gothisch-sienesischem Stil wieder aufgebaut worden ist, besuchen.
Einen Abstecher wert ist auch die Kuppel von San Michele im Ort San
Donnino, die wie ihre Zwillingsschwester San Michele in der Gemeinde
Barberino Val d'Elsa im Massstab 1:8 die beruehmte Kuppel der Kirche
Santa Maria del Fiore in Florenz widerspiegelt. Die Gemeinde von Certaldo
hat in letzter Zeit ein Netz von Wander- und Reitwegen fertiggestellt
und entlang der Elsa einen "Flusspark" angelegt. Unbedingt
sollten Touristen die
"Mercantia", das eindrucksvollste Strassentheater Festival
der Toskana besuchen, das jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli stattfindet.
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