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OBERE VALDARNO GEGEND
Die romanischen Pieven und die hoch auf den Bergen liegenden
Ortschaften sind die Hauptmerkmale dieser Landschaft, die vom oberen
Teil des Arnos durchzogen wird.
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Dieses
reizende Gebiet wurde lange von Florenz und Arezzo umkaempft: der
Sieg der Florentiner band das Valdarno Superiore Gebiet eng an die
Geschehnisse der Republik und spaeter an die des Grossherzogtums.
Von der florentinischen Vorherrschaft bleiben Spuren in den so genannten
"neuen Laendern" erhalten, die im 13.Jh. geschaffen wurden
und die voller Pieven, Gehoeften und befestigter Ortschaften sind.
Um im 13.Jh. die kriegerischen Bischoefe von Arezzo abzuwehren, bauten
die Florentiner die "gemauerten Orte", d.h. die drei befestigten
Ansiedlungen San Giovanni, Terranuova und Castelfranco. Arezzo, seinerseits,
verfuegte uber die maechtigen Burgen Cennina, Castiglione degli Umbertini
und Laterina. Im Jahre 1327 wurde die Gegend Valdarno Superiore endgueltig
der Republik Florenz angeschlossen. Obwohl dieser Landstrich seit
jeher auf den Weinanbau spezialisiert ist, gibt es hier auch die aeltesten
industriellen Betriebe der Toskana. Die im Tal gelegenen Industrien
haben den natuerlichen und geschichtlichen Schoenheiten der Umgebung
keinen Schaden angerichtet.
Figline Valdarno ist ein wichtiges Produktionszentrum, das
heute noch die Stadtmauern des Trecento bewahrt. Sehenswert sind die
Loggien des Ospedale Serristori aus dem 17.Jh. und die Stiftskirche
Santa Maria, die ein wertvolles Gemaelde aus dem 14.Jh. mit einer
Madonna auf dem Thron mit Kind, Engeln und Heiligen aufweist. Das
Ospedale und die Stiftskirche liegen am, nach dem 1433 in Figline
geborenen Humanisten Marsilio Ficino benannten, Hauptplatz des Ortes.
Interessant sind auch der aus dem Trecento stammende, aber in den
Dreissiger Jahren des 19.Jh.s umgebaute Palazzo Pretorio und die Casa
Grande dei Serristori, ein wunderschoenes Herrenhaus aus dem 15.Jh..
Im Zentrum von Figline liegt die Kirche San Francesco, Teil eines
Klosterkomplexes, der seit dem 13.Jh. den Moenchen des Minori Ordens
gehoert. Fuer die Oeffentlichkeit zugaenglich sind der Renaissance-Portico,
der Laubengang und der Kapitelsaal. Im Innneren der Kirche sind eine
Reihe von Kunstwerken wie wertvolle Fresken aus dem 14. und 15.Jh.
ausgestellt. Auch das aus dem Jehre 1542 stammende Kloster Santa Croce
der Augustiner Klausurnonnen liegt im Zentrum. In Gaville, einem Ortsteil
von Figline Valdarno, sollte man die Pieve San Romolo mit dem Museum
baeuerlicher Traditionen besuchen, das unter anderem einen grossen
Muehlstein zur Herstellung von Olivenoel aus dem 17.Jh. zeigt.
Naeher an Florenz liegt der aktive Industriebezirk Incisa
Valdarno der in der Altstadt einen Turm der Burg aus dem 13.-14.Jh.
bewahrt. Unweit der Burg befindet sich das Oratorium del Crcifisso
mit dem Kreuz Santa Croce Miracolosa, das frueher Wallfahrtsziel und
Kultobjekt war. Das wunderbringende Kreuz erhielt die Kirche von einer
Compagnia dei Penitenti, die oft in diese schlichte, einfache Wallfahrtskirche
kam. Sehenswert ist auch die Kirche del Vivaio aus dem 16.Jh., die
im 17.Jh. im Barockstil restauriert wurde. Im Inneren der Kirche sind
viele Kunstwerke enthalten und deshalb soll diese Kirche bald ein
Museum sakraler Kunst werden. Einen Abstecher wert ist auch die romanische,
vor dem Jahr 1000 gegruendete Pieve San Vito in Loppiano. Heute ist
sie Sitz der internationalen religioesen Bewegung der Focolarini.
Rignano sull'Arno sollte man wegen der Kirche San Clemente
a Sociana besuchen, einem schlichten Gebaeude, in dem man die Madonna
mit Kind von Antonio Rossellino und die Skulpturen von Mino da Fiesole,
zwei herrliche kerzentragende Engel, bewundern kann. Sehenswert ausserdem
die vor 1000 nach den strengen romanischen Regeln erbaute Pieve San
Leolino. Heute ist sie nur in der Apsis original erhalten, aber bewahrt
einige herrliche Fresken des 14.Jh.s auf. Die kleine Kirche San Piero
in Pericaia war eine der Suffragankirchen von San Leolino, die schon
im 11.Jh. erwaehnt wurde. Das Innere, ein kleiner romanischer Saal,
ist unverputzt und nur mit einfachen Steinbloecken verziert. Die maechtigen
Mauern, die den Kreuzgang umschreiben, lassen darauf schliessen, dass
das Gebaeude urspruenglich, wohl zu Zeiten der Langobarden, zu Wehrzwecken
erbaut wurde und erst spaeter in Kultstaette umgewandelt worden ist.Im
Ortsteil Volognano im Inneren der Kirche San Michele befindet sich
das Gemaelde der Madonna della Cintola mit Engeln und Heiligen, das
Rosso Fiorentino zugeschrieben wird.Auf der nach Arezzo blickenden
Seite des Valdarno Superiore sollte man unbedingt den kleinen, malerischen
Ort Loro Ciuffenna, besuchen, der hoch ueber dem gleichnamigen
Fluss in einer wunderschoenen Panoramaposition liegt. Der mittelalterliche
Kern ist fast vollstaendig intakt und im Ortsteil "Fondaccio"
sind alle originalen Gebaeude erhalten, die an einer romanischen Bruecke
mit schwindelerregendem Bogen eng aneinander geschmiegt liegen. In
der Kirche Santa Maria Assunta ist ein Lorenzo di Bicci zugeschriebenes
Triptychon erhalten; man darf aber vor allem nicht versaeumen, die
Pieve Gròpina, die aelteste der romanischen Kirchen des Valdarno
zu besuchen. Das schlichte, maechtige Gebaeude enthaelt einzigartige
in Stein gehauene Kapitele mit Tierfiguren und ein rundes Ambo mit
Basrelief. Unter der Kirche liegen die Ueberreste eines religioesen
Gebaeudes aus dem 7.Jh., eines vorchristlichen Tempels und einige
Reste roemischen Ursprungs.
Castelfranco di Sopra wurde 1299 wohl nach den Plaenen Arnolfo
di Cambios gegruendet. Die Altstadt bewahrt die Anziehungskraft einer
mittelalterlichen Militaerstruktur, die aus Wehrzwecken, aber auch
zur politischen und wirtschaftlichen Ausdehnung gebaut wurde. So wie
alle von Florenz gewollten "neuen Laender" entwickelt sich
der Ort um den Hauptplatz im Schachbrettsystem, in dem sich die gepflasterten
Gassen orthogonal kreuzen. Auch Teile der mit Zinnen besetzten Wehrmauern,
zwei Tore und zahlreiche Renaissance Palaeste sind erhalten geblieben.
Einen Besuch wert sind ausserdem die Pfarrkirche San Tommaso aus dem
Jahre 1000, das Oratorium San Filippo und der aus dem 14.Jh. stammende
Gemeindepalst mit den antiken Verliessen. Unweit von Castelfranco,
in Soffena, liegt die im Jahre 1000 gegruendete Abtei San Salvatore,
die im 14. und 18. Jh. umgebaut wurde. Nach langen Restaurationsarbeitenhat
die Abtei heute wieder ihren mittelalterlichen Charme zurueckerhalten.
Im Inneren befinden sich viele herrliche Fresken, einige davon werden
Bicci di Lorenzo zugeschrieben. Nicht weit von> Castelfranco lohnt
ein Abstecher in den kleinen Ort Pian di Scò, der im Mittelalter
ein Vorposten Arezzos war. Aus dieser Zeit bleibt die romanische Pieve,
von der man ein herrliches Panorama geniessen kann.
San Giovanni Valdarno ist der groesste der "gemauerten
Orte", die Florenz im 13.Jh.aus militaerischen und wirtschaftlichen
Gruenden in Konkurrenz mit Arezzo errichten liess. Die Altstadt zeigt
in ihrer viereckigen Anordnung mit orthogonalen Strassen, nach dem
Modell der roemischen Lager, ihren Ursprung. Im 14.Jh. wurde in San
Giovanni Masaccio geboren; das Genie Arnolfo di Cambio hingegen erbaute
den Palazzo del Podestà, Sitz der heutigen Gemeinde. Die Fassade
ist von einem weiten, eleganten Laubengang umgeben, wo Wappen der,
sich von 1409 bis 1772 abwechselnden, Vikare des Ortes erhalten sind.
Am Platz Masaccio liegt die im 15.Jh erbaute Basilica Santa Maria
delle Grazie mit einer Fassade aus dem 18.Jh.. Unter den Bogengaengen
ist ein Terrakotta Glasfenster von Giovanni della Robbia erhalten,
waehrend das Innere neben anderen Werken auch eine herrliche Verkuendigung
des Beato Angelico aus dem nahen Kloster Montecarlo enthaelt.
Cavriglia ist ein kleiner Ort der Valdarno Region, der fuer
seine reichen Lignitvorkommen bekannt ist, die hier ueber Tage abgebaut
und fuer ein grosses Elekrizitaetswerk benutzt wird. Caviglia ist
bei den Bewohnern der umliegenden Orte sehr beliebt dank seines Tierparks,
in dem man zahlreiche exotische und heimische Tierarten finden kann.
Am Sonntag fuellen sich die Wiesen mit Ausflueglern, Touristen und
Familien mit Kindern.
Montevarchi ist heute ein aktives Handelszentrum mit einer
ellipsenfoermigen Struktur, einer der ausgefallendsten des Mittelalters.
Sehenswert ist die Kollegiatskirche San Lorenzo mit dem Museum sakraler
Kunst, unter dessen Werken besonders der kleine Tempel im Stil della
Robbias ins Auge faellt. In dem eleganten Laubengang des Klosters
San Lodovico befindet sich das Museo Paleontologico, das viele im
Arnotal gefundene Fossilienreste aus dem Pliozaen ausstellt. Unweit
von Montevarchi ist die Burg von Cennina einen Besuch wert, die im
13. Jh. aus Verteidigungsgruenden gegen Florenz erbaut worden ist.
Von hier hat man ein herrliches Panorama ueber die Valdarno-Gegend
und den Pratomagno; ein Spaziergang durch die engen Gassen der Altstadt
um die Befestigungsanlage ist ein Muss.
Die Ortschaft Terranova Bracciolini ist heute ein aktives Produktions-und
Handelszentrum, aber bewahrt auch noch die, von den Florentinern im
Jahre 1337 zur Zeit der Gruendung des Ortes errichteten, Mauern und
die Tuerme. Hier wurde der grosse Humanist Poggio Bracciolini geboren,
aktiv im Florenz der Medici waehrend des 15. Jh.s.
Der Ort Laterina bewahrt die mittelalterliche Burg, und viele
archaeologische Zeugnisse von menschlichem Leben in der Urzeit wurden
hier gefunden. Der Name kommt wohl von den vielen Ziegelfabriken,
die hier z.Zt. der Etrusker und Roemer aktiv waren. Malerisch sind
auch die Ruinen der Burg Bucine, die wohl als etruskisch-roemische
Siedlung entstanden ist, aber dank ihrer strategischen Lage ueber
dem Ambratal auch im Mittelalter ein wichtiges Zentrum war. Gerade
dank seiner Lage an der Hauptverkehrsader zwischen der Valdarno und
Siena wurde der Ort ein lebhaftes, bevoelkerungsreiches Handelszentrum.
Pergine Valdarno ist eine kleine Ortschaft mit Ueberresten
einer im 10.Jh. erbauten Burg, die heute Teil des antiken Borgos ist.
Die Waelder und die mit Olivenhainen und Weinreben bepflanzten Huegel
sind die groesste Attraktion dieses kleinen Ortes des Oberen Arnotals,
das fuer seine erstklassigen Agrarprodukte bekannt ist.
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